4 Die comp@ss-Module im Überblick
4 Die comp@ss-Module im Überblick
Der Computerführerschein comp@ss bietet inzwischen ein 5-stufiges modulares Modell. Bereits für sehr junge Kinder ab ca. fünf Jahren gibt es den Junior-comp@ss, etwas ältere Kinder zwischen ca. 8 und 14 Jahren sind Zielgruppe für den Net-comp@ss und für Jugendliche ab 14 Jahren gibt es den comp@ss-4U und comp@ss-Spezial. Alle Altersangaben verstehen sich als unverbindlicher Richtwert. Eltern und Pädagogen können das Modul comp@ss-Plus absolvieren. Die aktuellste Entwicklung ist zudem der Family-comp@ss – als Modul zur generationenübergreifenden Medienarbeit mit Familien.
Zu jedem Modul hat die Arbeitsgemeinschaft comp@ss einen so genannten Teilnahmebogen entwickelt, auf dem die einzelnen Teillernziele stichpunktartig aufgelistet werden[1]. Alle Bögen können in ihrer jeweils aktuellsten Fassung auf der Internetplattform www.compass-deutschland.net heruntergeladen werden. Der Teilnahmebogen ist gleichzeitig Element der Qualitätssicherung und dient der Dokumentation einer Zertifizierung. Zeitliche oder methodische Vorgaben existierten für comp@ss-Module bislang bewusst nicht. Den beteiligten Einrichtungen soll nach Möglichkeit die Freiheit gelassen werden, angepasst an die Vorkenntnisse und individuelle Situation der Teilnehmenden selbst Methoden und Zeitrahmen zu
bestimmen[2]. Die Dauer der Kurse ist variabel, die Kurse sind also nur als Beispiele zu verstehen und können dementsprechend zeitlich individuell angepasst werden. Am Ende jedes Moduls steht in der Regel ein Produkt, dessen Erstellung die Kenntnis der relevanten Modulinhalte abverlangt. Jedes Modul kann separat zertifiziert werden. Es muss nicht mit dem Junior-comp@ss begonnen werden, ein Einstieg auf jeder Ebene ist möglich. Ob zusätzlich zur Erstellung des Produktes noch eine Prüfung durchgeführt wird, liegt in der Hand der Anbieter. Die einzelnen Stufen sollen im Folgenden kurz vorgestellt werden.
Junior-comp@ss
Für sehr junge Kinder, bereits ab ca. fünf Jahren, gibt es den Junior-comp@ss. Um dieses Modul zu erhalten, ist keine Lesekompetenz erforderlich. Ziel ist es, den ersten Kontakt und damit den Einstieg in die Computerwelt zu ermöglichen. Das Internet wird auf dieser Stufe nicht thematisiert. Das Curriculum des Junior-comp@ss setzt neben technischen Fertigkeiten besonders auf die Vermittlung sozialer Fähigkeiten. Diese sollen z. B. über Rollenspiele erlernt werden. So sollen die Kinder beispielsweise dazu befähigt werden, sich gegenseitig zu helfen und sich auch in fremden Einrichtungen eine Orientierung verschaffen zu können.
Zertifiziert wird der Junior-comp@ss auf einem kleinen Kärtchen, ähnlich dem Radfahrschein oder Schwimmpass.
Net-comp@ss
Die zweite Stufe des comp@ss ist der Net-comp@ss. Zielgruppe sind Kinder ab ca. acht Jahren, die bereits lesen können. Aufbauend auf den Junior-comp@ss liegt der Schwerpunkt auf dem ersten Umgang mit dem Internet. Thematisiert werden nicht nur technische Fertigkeiten und Bedienkompetenz, sondern auch Inhalte wie Kinder- und Jugendmedienschutz, Selbst- und Datenschutz, Regelerschließungskompetenz, Hilfe zur Selbsthilfe bei Problemen und rechtliche Hinweise zu Software aus dem Netz und Verhalten z. B. im Chat. Damit hebt sich der Net-comp@ss inhaltlich von anderen existierenden Computerführerscheinen ab und trägt auch den Untertitel „Medienschutzschein“. Bei allen aufgeführten technischen Inhalten geht es um ein leicht erweitertes Einstiegswissen und eine Einführung in das Internet. Erklärungen werden kurz und einfach gehalten, um Teilnehmende nicht mit Details zu überfordern. Eine Vertiefung findet in den Grund- und Spezialisierungsmodulen des comp@ss-4U statt.
Der Net-comp@ss wird als zweite Stufe auf demselben Kärtchen wie der Junior-comp@ss bescheinigt[3].
comp@ss-4U
Der comp@ss-4U ist die dritte Stufe des Computerführerscheins. Hauptzielgruppe sind Jugendliche zwischen 12 und 21 Jahren, speziell am Übergang Schule / Beruf, jedoch soll diese Vorgabe Jüngere oder Ältere nicht ausschließen.
Die insgesamt 12 Module beziehungsweise Lernbausteine des comp@ss-4U vermitteln Kenntnisse
im informationstechnischen Bereich. Die Inhalte der einzelnen Lernbausteine wurden von 15 Berliner Einrichtungen der außerschulischen Bildungsarbeit entwickelt und bis Ende 2003 mit 50 Lernorten schulischer und außerschulischer Medienbildung abgestimmt. Im März 2007 wurden alle Module des comp@ss-4U in Bezug auf die Vermittlung sozialer, ästhetischer und kultureller Kompetenzen überarbeitet[4]. Außerdem hat die Arbeitsgemeinschaft comp@ss die testweise Einführung der Präambel zur Durchführung von comp@ss-Kursen beschlossen. In der Präambel sind Anforderungen zur Durchführung von comp@ss-Kursen zusammengefasst (vgl. Kapitel 4.1.2).
Im Mittelpunkt des comp@ss-4U stehen Themen wie Medienreflexion sowie informationstechnische,
medienästhetische und symbolische Kompetenzen. Die Inhalte orientieren sich an Themen, die für
Jugendliche von besonderer Bedeutung sind. Dazu gehören z. B. digitale Musik, Bildbearbeitung oder das Erstellen privater Homepages. Weiterhin geht es um das für Hobbyanwendungen und Computerspiele nötige Hardwarewissen und die dazu erforderlichen System- und Netzwerkkenntnisse. Die vom Europäischen Computerführerschein ECDL[5] fokussierten Kenntnisse finden sich ebenfalls in einzelnen Modulen, wie z. B. Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Internet.
Der comp@ss-4U eignet sich aufgrund seiner modularisierten und standardisierten Lerninhalte zur sozialräumlichen Kooperation. Die einzelnen Lernorte können entsprechend ihrer medienpädagogischen Schwerpunkte und Ausdifferenzierung unterschiedliche Lernbausteine anbieten.
Die 12 Grundmodule des comp@ss-4U umfassen Internet, Textverarbeitung, Tabellenkalkulation,
Bildbearbeitung, Vektorgrafik, Audio, Musik, Video, Homepage-gestaltung, Hardware, Systemeinrichtung / -wartung und Präsentation.
Bescheinigt wird jedes Modul einzeln auf einem DIN-A4-Zertifikat, das als Referenz z. B. einer Bewerbung beigefügt werden kann[6]. So führt jedes Modul zu einem eigenen Zertifikat. Jugendliche können sich damit ihr eigenes Portfolio aus Modulen, die sie interessieren, zusammenstellen[7].
comp@ss-Spezial
Die vierte Stufe des Computerführerscheins ist der comp@ss-Spezial. Dieser gibt Einrichtungen die Möglichkeit, unter Berücksichtigung eines einheitlichen Rasters auch jene spezielleren Inhalte zu zertifizieren, die nicht vom comp@ss-4U abgedeckt werden. Laut Beschluss des comp@ss-Plenums müssen die Module des comp@ss-Spezial nicht inhaltlich abgestimmt werden, sondern werden von den anbietenden Einrichtungen lediglich beim Plenum eingereicht. Das Plenum entscheidet dann, ob das neue Modul zur Zertifizierung zugelassen wird. Voraussetzung ist, dass sich das Modul am Umfang und Anforderungsgrad bisher existierender Module des comp@ss-4U orientiert. Inhalte der Spezial-Module können z. B. Vertiefungen der Grundmodule des comp@ss-4U sein oder Themen behandeln, die von den Grundmodulen nicht abgedeckt werden. Bislang wurden lediglich zwei Module entwickelt und zertifiziert: „Visual Basic“ und „Programmieren mit PHP“.
comp@ss-Plus und comp@ss-Plus für Pädagogen
Bereits kurz nach der Einführung der Module Junior- und Net-comp@ss richteten Eltern den Wunsch an die Arbeitsgemeinschaft comp@ss, auch Kurse für Erwachsene anzubieten. Eltern, deren Kinder comp@ss-Kurse besucht hatten, wollten dem Wissen ihrer Kinder nicht nachstehen und wünschten sich Sicherheit in Entscheidungsprozessen die Mediennutzung ihrer Kinder betreffend. Da dieser Ansatz als Teil der Elternbildung eine gute Ergänzung zu den bisher existierenden Modulen des comp@ss zu sein schien, wurde das Modul comp@ss-Plus entwickelt. Grundlage hierfür waren vor allem die Inhalte des Netcomp@ss. Der Schwerpunkt der Kurse liegt in der Schärfung der Computerkenntnisse von Eltern[8] unter gesellschaftlichen und pädagogischen Gesichtspunkten. Die Kluft zwischen den Kenntnissen von Kindern und Eltern soll verringert, das Verständnis der beiden Altersgruppen füreinander verbessert werden. Entstehen soll daraus nicht nur eine Angleichung unterschiedlicher Wissensstände, sondern vielmehr eine gemeinsame Nutzung des Mediums Computer unter Berücksichtigung verschiedener Interessenlagen innerhalb von Familien.
Ergänzend hierzu wurde der comp@ss-Plus für PädagogInnen entwickelt. Zielgruppe sind Pädagogen, denen das technische Wissen für die Durchführung von comp@ss-Kursen fehlt, die aber durchaus über ein methodisches und didaktisches Wissen im Bereich der Medienerziehung verfügen. Ergänzend zum technischen Wissen sollen die Kurse einen Ort bieten, an dem man sich über Konzepte und Methoden z. B. zur Projektarbeit im Medienbereich untereinander austauschen kann.
Family-comp@ss
Dieser Computerführerschein ist ein Angebot für Familien mit Kindern im Alter von 7 bis 14 Jahren. Im Vordergrund steht dabei nicht die Vermittlung von technischem Expertenwissen, sondern der Kompetenzerwerb von Eltern und Kindern für eine familienfreundliche und sichere PC-Nutzung zu Hause. Wichtigstes Ziel des Kurses ist deshalb die Klärung und Vermittlung von Medienkompetenz. Wir geben Tipps und Anregungen für die altersgerechte und sinnvolle Nutzung des Mediums Computer unter Berücksichtigung des Jugendschutzes sowie der unterschiedlichen Bedürfnislagen der verschiedenen Generationen. Eltern und Kinder sollen am Kurs gleichermaßen teilhaben – jeder soll sich seine besonderen Wünsche später praktisch am Computer erfüllen können. Ob Preisvergleich und Einkauf im Internet für die Eltern, altersgerechte Seiten mit Rätseln und Spielen für die Kinder oder Blogs und Chaträume für Jugendliche – dies und vieles andere soll in diesem Kurs erkundet werden.
Was machen wir in diesem Kurs?
- Klärung von Grundbegriffen (Hard- und Software, Betriebssystem, Provider etc.)
- Überblick über die Grundfunktionen eines Betriebssystems (z. B. Windows)
- Einstieg in die Textverarbeitung (erstellen, speichern, drucken)
- Einführung zum Thema Internet, Verhalten im Internet (und in Internetcafés)
- Suchen und Finden im Internet (Google, eBay, Maps etc.)
- Datenschutz – Chats, persönliche Daten, Regeln, Jugendschutz und Gefahren
- Einrichten einer E-Mail-Adresse, Versenden und Empfangen von E-Mails
- Copyright – Erlaubtes und Verbotenes
- Kleine Spielkunde mit altersgerechten Empfehlungen
- Transport von Daten auf einen USB-Speicherstick
- Viren und andere Gefahren
Fussnoten
- ↑ Shortlink #1001
- ↑ Das Postulat der generellen Methodenfreiheit ist in der Arbeitsgemeinschaft nicht mehr unumstritten. Die Forderungen nach Nachhaltigkeit, bestimmten pädagogischen Überzeugungen und Qualitätserwägungen stehen in einem direkten Spannungsfeld zu absoluter Methodenfreiheit.
- ↑ Der Net-comp@ss wird ausführlich behandelt in Kapitel XX.
- ↑ Eine Übersicht darüber, welche sozialen, künstlerischen, kulturellen und ästhetischen Kompetenzen in den einzelnen Modulen erworben werden können, findet sich in Kapitel 4.1.1.
- ↑ Der ECDL (European Computer Driving Licence) ist der europäische Computerführerschein.
- ↑ n Musterzertifikat (allerdings für die Train-the-Trainer-Schulung) findet sich im Anhang.
- ↑ Die Module XX werden ausführlich in diesem Handbuch behandelt.
- ↑ Die Gruppe „Eltern“ wurde von der Arbeitsgemeinschaft comp@ss in diesem Zusammenhang definiert als Menschen, die Kinder und Jugendliche im Alter von etwa 7 bis 14 Jahren erziehen.